Tanz & Theater
DIE SCHWIMMERIN
Erinnerungen und Alptraum einer Spitzensportlerin
Zeitgenössisches Tanztheater nach dem Gedicht
„Ich bin der Gast deines hervorgestoßenen Fluches, Mirna Jukic“ von Josef Winkler für
1 Tänzerin ( + 1 Tänzer ), 1 Schauspieler, 1 Akkordeon live
FR, 22. Juni 2012, 20.00 Uhr, Lodronsche Reitschule
Konzeption und Tanz: Anna Hein
Dauer: knapp 60 Minuten
In seinem Prosagedicht „Ich bin der Gast deines hervorgestoßenen Fluches, Mirna Jukic“ setzt der Autor das Porträt einer Spitzensportlerin, der Schwimmerin Mirna Jukic, aus 31 brillant geschliffenen Sätzen wie ein Mosaik zusammen. Er streift Mirna den schwarzen Schwimmanzug ab, gibt ihr die Farben des Lebens. Doch die Erinnerung an das Leben in der Gummihaut bleibt: Ein Leben im Wasser, vor patriotischen Massen und Medien. Erinnerungen an Erfolg und Triumph, die zum Alptraum werden. Erinnerungen an ein Leben für die anderen. Mirnas Bühne ist die Schwimmhalle, in der sie vom Publikum vergöttert und „ geopfert“ wird.
In Josef Winklers Gedicht ist es der Schwimmanzug, der sich, nachdem Mirna ihn verlassen hat, nun als leere, nutzlose Hülle, in bewundernd-eifersüchtig-kritischen Erinnerungsbildern mit der Frau im Leistungssport und dem Sport an sich auseinandersetzt. Eine Auseinandersetzung, die in dem Tanzstück die „Schwimmerin“, Mirna Jukic, nach ihrem Rücktritt vielleicht bald vergessen, ihre Erinnerungen durchlebt.

Anna Hein ©robert fleischanderl
Choreografie, Regie, Bühne, Video, Kostüme: Anna Hein
Tanz: Anna Hein und Simon Mayer als “Schwimmanzug”
Komposition, Live-Musik (Akkordeon): Christoph Hofer
Sprecher: Erik Jan Rippmann
Das Stück wurde in Ausschnitten anlässlich der Salzkammergut Festwochen Gmunden 2011 und zur Eröffnung des Centers for Choreography Bleiburg erstmals der Öffentlichkeit präsentiert und soll 2012 in einer revidierten Neufassung neben Gmünd auch auf anderen Tanzbühnen in Österreich zur Aufführung gelangen.
Choreografische Umsetzung
Der Dynamik und dem Rhythmus der fantastisch-naturalistischen Sprachbilder durch den Tanz Körperlichkeit zu verleihen, ist eine mehrfache Herausforderung. Es geht um
1. Erhaltung der markanten Architektur des Werkes durch Vortrag (Schauspieler), teilweiser Videoeinspielung und bruchstückhafter Übernahme des Textes durch die Tänzerin. Das gesprochene Wort verwandelt sich zunächst in ein Schattenspiel: Schwarzweiß in scharfen Konturen, das Training der Schwimmerin, monoton wie der Refrain des Schwimmanzugs im Gedicht: „Du fehlst mir, sagt die Gummihaut deines schwarzen Schwimmanzugs.“
2. die Umsetzung der Poesie, Erotik und Gefährlichkeit der Beziehung ‚Frau und Spitzensport’ in einer Josef Winklers Gedicht entsprechenden Ästhetik durch Wort, Tanz und Musik:
Mirna – das Wasser, der Sport; die Frau – ihre Disziplin und ihre Lust, ihre Kraft und Verletzlichkeit, ihre Alpträume, Verführer und Dämonen…(„Du fehlst mir, sagt die Gummihaut deines schwarzen Schwimmanzuges, wenn die Unterwasserwölfe die Pfirsiche entkernen und sich einnisten ins Fruchtfleisch, ohne vorher ihre Zungen über deinen Bauch gleiten zu lassen, Mirna Jukic.“). Ästhetisch wechselt die Choreografie zwischen disziplinierter, klarer Linienführung und freier, spontaner Improvisation.
Text / Dramaturgie
Der dramaturgische Bogen spannt sich vom Beginn einer Sportkarriere bis zum eingeforderten Erfolg, dessen Preis dabei permanent in Frage gestellt wird. Wasser als Element der Lust und Qual, Goldmedaille für den Sieg über sich selbst oder für die anderen? Ist diese Schwimmerin noch eine Frau, die gefeierte Sportlerin noch Mensch oder längst gewinnbringende Ware mit Ablaufdatum?
Der Text wird zu Beginn des Stückes von einem Schauspieler (Erik Jan Rippmann bzw. von Josef Winkler selbst) auf der Bühne vorgetragen bzw. angelesen. Er wird dann als CD Einspielung übernommen und begleitet ein monotones „Schwimmtraining“ (das als Schattenspiel schwarzweiß, „wie gedruckt“, abläuft und somit optisch eng dem Text verbunden bleibt). Mit leisen, spitzen Tönen (Komposition: Christoph Hofer) wird der Text vom Akkordeon unmerklich aufgebrochen. Doch sind die zunehmend rhythmisch und fröhlich gestalteten, Freiheit versprechenden Klänge trügerisch, dienen sie letztlich nur dazu, eine junge Sportlerin dem Trainer gefügig zu machen, um dann als teures Produkt den Massen und Medien verkauft werden zu können. Es ist der Beginn von Mirnas Alptraum: In der Wiederaufnahme des Textes, visualisiert auf einer Projektionsfläche, laufen getanzte Erinnerungsbilder, wie der Text eine Abfolge symbolträchtiger, grotesker und absurder Momente in einer Unterwasserwelt von Dämonen und Monster. Die vulgäre Gestalt des Akkordeon spielenden Trainers, das Hallen seiner Pfeife, die Worte und Klänge ballen sich Szene um Szene immer dichter und schneller zu einer tobenden Masse zusammen, die einen Superstar feiert und vielleicht vernichtet.
In einer zweiten Variante wird auch der Schwimmanzug von einem Tänzer verkörpert.
Musik
Der Akkordeonspieler ist wie die Tänzerin fast durchgehend auf der Bühne und mit seinem Instrument in die Choreografie eingebunden. Seine Musik verführt und zwingt die Schwimmerin, er ist Trainer und Publikum. Er verwandelt sich nach und nach vom vulgären Diener des Sports zur widerlichen Macht- und Gegenfigur, der Mirna nicht entfliehen kann.
Christoph Hofer: „Die Musik zum Projekt “Die Schwimmerin” entstand mit dem Ziel, zwei Ansprüchen gerecht zu werden: Sie sollte den Text tragen, ohne sich festzulegen und zugleich tänzerisch bewältigbar sein. Die im Text vorkommenden und dem zentralen Inhalt innewohnenden Themen wie Eros, übersteigerter Nationalstolz (paradoxerweise auf eine Sportlerin mit Migrationshintergrund), extremes Leistungsbewusstsein und damit verbundenes, monotones Trainingsgeschehen finden ihre Entsprechung in der Musikauswahl: “Österreichische” Musik – Bundeshymne, Straußwalzer etc. werden verfremdet und in andere Musikwelten versetzt, aber auch erotische Momente eines frei legenden Tangos oder Erik Saties fabelhaft-paradoxe, weltfremd anmutende “Sports et Divertissements – Miniaturen werden eingesetzt. Zudem sind Improvisationen in Interaktivität mit der Tänzerin wichtiger Bestandteil des Stückes.“
Bühne
Das Bühnenbild besteht aus einer Projektionswand (Schattenspiel) und einem Kubus dahinter. So bleibt Raum zur Vermittlung der Einsamkeit der Sportlerin in der Schwimmhalle, im Training und im Triumph, aber auch in ihren Gedanken, ihrer Intimsphäre.
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BURGTHEATER GMÜND
Das Burgtheater Gmünd, eine engagierte Laienschauspielgruppe, der auch zahlreiche Mitglieder der Kulturinitiative angehören, bringt seit vielen Jahren jeden Sommer ein sehr gut besuchtes Theaterstück auf die eigene Bühne in der Alten Burg, eben das Burgtheater Gmünd. Besonders gut in Erinnerung sind die „Nightwalks“, unter der Leitung von Regisseur Andreas Staudinger, bei denen die Besucher von den Schauspielern durch ein verzaubertes und bezauberndes, nächtliches Gmünd geführt wurden. Ausdruck der Begeisterung des Publikums ist die Tatsache, dass alle acht Vorstellungen seit vielen Jahren stets ausverkauft sind. Die Kulturinitiative unterstützt das Burgtheater Gmünd durch Presse- und Werbearbeit.
Weitere Informationen folgen!
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Es wird auch wieder Aufführungen von der Theatergrupppe “Di Theatra wird” geben.
Weitere Informationen folgen!








