Internationales Gastatelier Maltator
INTERNATIONALES GASTATELIER MALTATOR
Eintritt frei!
Einen besonderen Stellenwert nehmen in Gmünd die Internationalen Gastateliers für bildende Künstler, für Kunsthandwerker sowie für Literaten (artists in residence) ein. Seit 1994 öffnet das Internationale Gastatelier im Maltator seine Atelier- und Wohnungstüren für Künstler aus aller Welt. Bisher haben über 50 KünstlerInnen aus aller Welt die Möglichkeit genutzt, hier, in diesem historischen Gebäude, in einzigartiger Atmosphäre zwei Monate zu verbringen, hier zu arbeiten und österreichische „Kultur“ kennen zu lernen. Die Begegnung mit der heimischen Bevölkerung und den in Gmünd ansässigen Künstlern lässt die Stadtkünstler für kurze Zeit zu „Gmündern“ werden. Zum Ende ihres Aufenthaltes wird ihr Schaffen in Gmünd in einem kleinen Katalog dokumentiert und die hier in Kärnten entstandenen Arbeiten der Öffentlichkeit anlässlich einer Ausstellung präsentiert. Schweden, Finnland, Estland, Litauen, Lettland, Russland, Italien, Kroatien, Slowenien, Ungarn, Deutschland, Polen, Island, Mexiko, Argentinien und natürlich auch Österreich sind diejenigen Länder, aus denen bisher Künstler nach Gmünd als Maltatorkünstler gekommen sind. Durch ihr „offenes“ Arbeiten und den Kontakt mit der Bevölkerung tragen die Stadtkünstler wesentlich dazu bei, das kulturelle Leben in Gmünd zu gestalten und Berührungsängste mit Künstlern und ihrem Werk abzubauen. Die jedes Mal wieder aufs Neue spannende Herangehensweise der einzelnen KünstlerInnen bringt unglaubliche Vielfalt und Neues nach Gmünd. Viele ehemalige Gastkünstler sind gute Freunde unserer Stadt geworden, kommen gerne wieder zu Besuch, halten Kontakt und verfolgen interessiert die Entwicklung des kleinen Ortes zur Künstlerstadt. Einige von ihnen haben nach ihrem Gastaufenthalt in Gmünd eine erfolgreiche Laufbahn genommen, so ist mittlerweile eine lettische Textilkünstlerin, die 2001 zu Gast im Maltator war, nun Professorin an der Kunsthochschule in Riga, ein finnischer Bildhauer unterrichtet jetzt an der Kunstuniversität Rovaniemi.
Das Gastatelier im Maltator ist das einzige Gastatelier für KünstlerInnen in Kärnten, das seit vielen Jahren ohne Unterbrechung erfolgreich betrieben wird. Es zählt mittlerweile zu den bedeutendsten artist-in residence Plätzen Österreichs. Aufgrund unzureichender Heizmöglichkeiten kann es jedoch nur von April bis Oktober eines jeden Jahres genutzt werden.
2012 werden sich alle GastkünstlerInnen im Maltator auf ihre Art und Weise dem Thema „Berge“ annehmen und entsprechende Arbeiten entwickeln.
ARTIST IN RESIDENCE-PROGRAMM IN DER KÜNSTLERSTADT GMÜND
Seit 1993 bietet die Kulturinitiative Gmünd professionellen KünstlerInnenn aus aller Welt die Möglichkeit, für die Dauer von zwei Monaten im Internationalen Gastatelier im Maltator zu leben und zu arbeiten. Der Gastaufenthalt schließt mit einer mehrtägigen Ausstellung hier in Kärnten entstandener Werke des Maltatorkünstlers.
Jahrestermine:
Gastaufenthalt 1 Mai und Juni
Gastaufenthalt 2 Juli und August
Gastaufenthalt 3 September und Oktober
Das Gastatelier befindet sich in einem um das Jahr 1500 errichteten Torgebäude, das Bestandteil der noch zur Gänze bestehenden Stadtmauer ist, und verfügt über eine voll eingerichtete kleine Garconniere (ca. 50 m2) im 2. Stock und drei kleinere Werkräume (zusammen ebenfalls ca. 50 m2) im 1. Stock. Ein kleiner Vorgarten gestattet auch ein Arbeiten im Freien. Die Beheizung in der kühleren Jahreszeit erfolgt in den Werkräumen mittels elektrischen Stroms, in der Garconniere mittels eines Kaminofens, der mit Holz beheizt wird.
Dem Stadtkünstler wird Unterkunft und Atelier für die Dauer von zwei Monaten zur freien Verfügung gestellt. Für Miete und Betriebskosten kommt die Kulturinitiative Gmünd auf, ebenso finanziert der gemeinnützige Kulturverein einen achtseitigen A5-Künstlerkatalog und organisiert die Ausstellung zum Ende eines Gastaufenthaltes samt Vernissage, Ausstellungseinladung, Versand, usw. Im Gegenzug erhält der Kulturverein ein Werk des Gastkünstlers, das während seines Gastaufenthaltes in Gmünd entstanden ist. Reisekosten, Krankenversicherung, Lebensunterhalt und Künstlermaterial müssen vom artist in residence selbst getragen bzw. organisiert werden.
Aus den Erfahrungsberichten ehemaliger GastkünstlerInnen entnehmen wir, dass die persönliche Betreuung durch die Mitglieder der Kulturinitiative Gmünd während des Gastaufenthaltes und die lebendige, fast familiäre Atmosphäre im kleinen Ort gegenüber anderen artist-in-residence-Programmen das große Plus der Künstlerstadt sein dürfte.
Ihre Bewerbung (inkl. Kataloge, Lebenslauf) richten Sie bitte an.
Kulturinitiative Gmünd
Hauptplatz 20
A 9853 Gmünd
mailto: kultur.gmuend@aon.at
Tel.: 0043-4732-2215-24
GASTKÜNSTLER/INNEN 1994 bis 2010
IM INTERNATIONALEN GASTATELIER IM MALTATOR
Fleck Fee PL/D 1994 – Malerei
Zolly Fabio A 1994 – Malerei
Eibl Wolfgang A 1995 – Zeichnung
Blittersdorf Tassilo A 1995 – Malerei und Installation
Andrzejewska Malgorzata PL 1995 – Malerei
Thorisdottir Gudrun ISL 1996 – Malerai
Roithner Hubert A 1996 – Malerei
Oremek Rosita D 1997 – Malerei
Prantner Gabriele A 1998 – Malerei und Objekt
Dobrowolski Remigiusz PL 1998 – Malerei und Installation
Jurtitsch Richard A 1998 – Malerei
Dzintare Ieva LETT 1999 – Textile Kunst
Scheifler Robert A 1999 – Objekte
Pere Katrin EST 2000 – Textile Kunst
Raadik Ülle EST 2000 – Textile Kunst
Merja Herzog-Helstén FIN/D 2000 – Keramik
Krall Karen A 2001 – Objekte und Installtion
Haas Roland A 2001 – Malerei
Krúmina Ieva LETT 2001 – Textile Kunst
Löb Mossberg Annika S 2002 – Skulptur
Klugmann Jürgen D 2002 – Zeichnung und Malerei
Engblom Tom FIN 2003 – Skulptur
Peralta Rosales Gabriela MEX 2003 – Malerei
Masin Orietta I 2003 – Objekte und Skulpturen
Dunn Mary USA/D 2004 – Skulptur
Modolo Laura I 2004 – Keramikobjekte
Cerqueni Daria I 2004 – Malerei
Vitolins Andris LETT 2005 – Fotografie
Lipski Marlene D 2005 – Objekte
Müller Marcella D 2006 – Fotografie
Šataite Indre LIT 2006 – Videokunst
Vassilieva Katja RUS/A 2007 – Malerei
Ramacher Einfalt A 2007 – Malerei und Objekte
Ivanov Ivan Kanchev BULG 2007 – Keramik
Tömö Ilona Agnes HU/A 2008 – Objekte
König Frigyes HU 2008 – Malerei
Mrsulja Danijela SRB 2008 – Objekte und Installationen
Traub Herbert A/D 2009 – Malerei
Cmelka Helga A 2009 – Textile Kunst
Judisch Thomas D 2009 – Videokunst
c/o:K Linz Institut für Kunstinitiativen A 2010 – Malerei, Text, Objekt, Installtion
Thalmann Linda A 2010 – Objekte und Videokunst
Aigner Christoph A 2010 – Fotografie
KunstSportGruppe hochobir A 2011 – Filmkunst, Fotografie, Musik
Schweiger Teresa GB/A 2011 – Medienkunst, Fotografie
Suske Detlef D 2011 - Fotografie
GastkünstlerInnen im Gastatelier Maltator 2012
GABRIELA NEPO-STIELDORF
Innsbruck, Österreich
Aufenthalt im Gastatelier Maltator in den Monaten Mai und Juni 2012
Vernissage: DO, 28. Juni 2012, 19.00 Uhr, zu sehen bis 30. Juni 2012
RICA OHYA
Japan
Aufenthalt im Gastatelier Maltator in den Monaten Juli und August 2012
Vernissage: DI, 28. August, 19.00 Uhr, zu sehen bis 31. August 2012
THERESA BEITL
Berlin, Deutschland
Aufenthalt im Gastatelier Maltator in den Monaten September und Oktober 2012
Vernissage: DO, 25. Oktober, 19.00 Uhr, zu sehen bis 31. Oktober 2012
GABRIELA NEPO-STIELDORF
Bildhauerei, Installationen, Innsbruck, Österreich
Die Tiroler Künstlerin, Kuratorin und mehrfache Preisträgerin Int. Wettbewerbe, arbeitet vornehmlich mit Naturmaterialien. Ihre Werke basieren auf der Auseinandersetzung des Einzelnen mit der gesellschaftlichen und persönlichen Geschichte, dem aufgeprägten Rollenspiel, den Verletzungen, den Befindlichkeiten in seinem eigenen Raum, sprich Haut, und dem erweiterten Raum als Architektur oder Landschaft im geographischen und gesellschaftlichem Sinne. Die Künstlerin versucht, ihre Arbeiten sowohl inhaltlich und formal nach einem strengen Konzept zu gestalten als auch den Geist und die Form der umgebenden Architektur einzuschließen und in einen Dialog zu treten. Sowohl Architektur als auch Landschaft und die sie prägende Geschichte und Gesellschaft beeinflussen die äußere und innere Form des Menschen. Diese Räume bilden jeweils wieder Hüllen, an deren Oberflächen das sichtbar wird, was sich dahinter an Leben verbirgt. Bewegung erscheint als Zeichen des Lebens, Prägungen und Verletzungen kennzeichnen das Individuum, zeigen eine personifizierte Ästhetik auch im Alter durch Rundungen und Falten. „Meine Körper sind niemals vollendet und abgeschlossen, weder formal noch geistig, um Lebendigkeit zu vermitteln und den Betrachter teilhaben zu lassen und aufzufordern, seine Vorstellungskraft einzusetzen, seinen persönlichen Menschen weiter zu formen und mit ihm den umgebenden Raum zu erobern.“ Die Auseinandersetzung mit dem Dreidimensionalen, das Betasten und Spüren des eigenen Körpers und die körperliche Erfahrung des Raumes und der Proportionalität von Mensch und Raum wird in einer Zeit, in der die meisten schon als Kind den Großteil der Erfahrungen über den Bildschirm und zweidimensionale Informationsflächen erleben, immer wichtiger. Die Akzeptanz der eigenen Unzulänglichkeit und Unperfektion sollte uns von Klischees befreien und uns mit unserer Individualität versöhnen.
ERWARTUNGEN ALS ARTIST IN RESIDENCE IN GMÜND 2012:
„In Ruhe und weg vom üblichen Alltag kann ich tiefer in meine Themen eintauchen und in neuer Umgebung ganz neue Verknüpfungen entwickeln. Gmünd habe ich als anregend und beruhigend, als vertraut und fremd und vor allem als eine sehr offene und interessierte Stadt erlebt, obwohl sie so umfangen ist von sehr präsenten Bergen. Ich möchte Spuren der Vergangenheit und der umgebenden Natur, vor allem der Bergwelt nachgehen, immer wieder auftauchende Symbole, Ornamente und ihre Prägungen auf Menschen, gestaltete Natur und Architektur erkunden. Durch Querverbindungen zu Kulturen mit ähnlichen geographischen Bedingungen schälen sich vielleicht archetypische Muster und ähnliche Verhaltensweisen heraus. Viele dieser typischen Formen sehen die Bewohner gar nicht mehr. Durch eine künstlerische Gestaltung möchte ich manche spezielle Orte wieder bewusster wahr-nehmen lassen. Gerne würde ich auch mit Schulen zusammenarbeiten und eventuell mit Kindern einen Platz gestalten. Ebenso kann ich mir einen Kurs mit Erwachsenen vorstellen.“
(Aus dem Motivationsschreiben von Gabriela Nepo-Stieldorf)
RICA OHYA
Landart-Künstlerin, Japan
Die japanische Künstlerin Rica Ohya bezeichnet sich selbst als “nature artist” – eine Kunstrichtung, die in Ländern wie Japan und Korea einen viel höheren Stellenwert als bei uns besitzt. Während es in Österreich nur vereinzelt Orte gibt, die mit „Kunst in der Natur” und „Kunst in der Landschaft“ bespielt werden, hat diese Kunstform in Asien eine große Tradition. Künstler aus aller Welt finden sich jährlich an verschiedenen Orten zusammen, um, oft nur für eine zeitlich begrenzte Periode, Kunstwerke vor Ort zu schaffen, die dann wie große Freiluftausstellungen vom Publikum besucht werden können. Dabei wird zwischen Land Art und Natur Art unterschieden. Künstler, die sich wie Rica Ohya der Natur Art verschrieben haben, trachten für ihre Kunst ausschließlich Naturmaterialen wie Erde, Äste, Holz, Blätter und Gräser, die sie vor Ort finden, zu verwenden. Die Arbeiten verändern sich mit den Jahreszeiten, verfallen und werden nach einiger Zeit der Natur „wiedergegeben”. Diesen Prozess, die Schönheit des Vergehens, zu zeigen, ist ein Anliegen der Künstlerin. Den Zustand des Verfalls sieht sie nicht als Katastrophe, sondern als Wesen der Natur.
Als Rica Ohya im September 2011 für wenige Tage Gmünd besuchte, war sie von der Stadt sofort inspiriert. Besonders die Burg auf dem steilen Hang neben dem Maltator faszinierte sie. Japans traditionelle Gebäude wie die Tempel, Schreine und Burgen sind ausschließlich aus Holz und Bambus gebaut, eine Stadt wie Gmünd mit ihren Mauern und Toren waren für sie eine völlig neue Erfahrung. Dann wurde ihr die lokale Sage von Pankratius und der damit verbundenen Entstehung Gmünds erzählt, die sie sehr berührte und in der sie eine Metapher für unsere Zukunft sehen kann. Im Juli und August 2012, während ihres Aufenthaltes als Gastkünstlerin im Internationalen Gastatlier im Maltator, will sie das Boot von Pankratius mit Naturmaterialien wie Erde und Holz, gesammelt an den Ufern der Malta, bauen. Boote sind ein wichtiges, immer wiederkehrendes Thema in Rica Ohyas Arbeiten. Das Boot, gestrandet, zerbrochen, auf dem steilen, zur Burg führenden Berghang zerschellt.
THERESA BEITL
Malerei, Berlin, Deutschland
Die ursprünglich aus Vorarlberg stammende und seit langer Zeit in Berlin lebende Künstlerin studierte zwischen 1985-1991 Literatur, Kunstwissenschaft und Ethnologie in Berlin (Magister Artium), 1995-2000 Malerei in Paris und Berlin (HdK). 2003 Gründung der Gruppe SCHWARZMALEREI mit Czarnojahn, Schlangenbader, seit 2006 Atelierstipendium des Land Berlin, Sigmaringer Strasse 1; seit 2008 Mitglied im Kunstverein KunstHaus Potsdam, 2008 Preisträgerin des Benninghaus-Kunstpreises für Malerei, VBK Berlin; regelmäßige Studien- und Arbeits-aufenthalte im In- und Ausland; Werke in öffentlichen und privaten Sammlungen; die Künstlerin lebt und arbeitet in Berlin und in den Alpen.
Publikationen (Auswahl): No Entry – Access und Kunst im 6. Kondratieff, Verlag DIE BLAUE EULE, Essen, 2004
Kunst und Geld Edition Hauser, Berlin, 2004 Artist-Booklet des Vereins Berliner Künstler, Berlin 2005
Theresa Beitl, Malerei, Katalog zur Kunstpreis-Ausstellung, Berlin, 2008
Energy Essen, Berlin, Hg. Kulturbüro Essen und Kulturamt Charlottenburg-Wilmersdorf, 2009
Animal Art – Katalog zur Ausstellung im Schloß Schwetzingen, Kulturverein Schwetzingen, 2010
SCHWARZMALEREI – Katalog zur Ausstellung in der Schwarzschen Villa, Berlin, 2011
„Seit mehreren Jahren arbeite ich künstlerisch zu dem Themenzyklus Tier – Natur – Mensch. Ausgangspunkt meiner künstlerischen Auseinandersetzung war eine Reise in meine Vorarlberger Heimat, ins Montafon, mit seinem traditionsreichen, braunen Milchviehbestand. Das „Rind“ (als Kuh und Stier), das sich seither für meine Malerei als Hauptmotiv herausstellte, eröffnete mir unerschöpfliche Möglichkeiten für Inspirationen und Erkenntnisse, die später über das eigentliche Phänomen ‚Kuh’ weit hinaus weisen sollten.
Mein Interesse für das Leben der Kühe und ihre ‚Partner’, die Bauern, führte mich immer tiefer in einen Bereich, der in meinen Augen ein Kernthema unserer heutigen Gesellschaft darstellt: Unser Umgang mit der Kreatur und zuletzt auch mit uns selbst. Angesichts von sinkenden Milchpreisen, Butterbergen und Subventionspolitik kann es absurd erscheinen, sich den Mühsalen des bäuerlichen Lebens auszusetzen. Anderseits halten wir als Gesellschaft bis heute daran fest, Milch, Butter und Fleisch selbstverständlich zu unseren Grundnahrungsmitteln zu rechnen und diese möglichst preiswert erwerben zu wollen. Meinungen und Präferenzen von Konsumenten gehen dabei mehr und mehr auseinander, sie reichen von biologisch-dynamischen Demeter-Produkten bis hin zu Kunstkäse und Klonfleisch. Fast alles finden wir heute in den Theken der Discounter und Lebensmittelgeschäfte.
Mich beschäftigt die Art und Widersprüchlichkeit der Argumente und der dahinter stehenden Weltsichten. Politik, Wirtschaft und Medien sind einerseits durchdrungen von einer Haltung der Beliebigkeit im Umgang mit dem oftmals zur Ware degradierten Tier, während gleichzeitig in anderen Teilen unserer Welt Tiere (noch) als heilig verehrt und geschützt werden. Für mich steht die Kuh als Symbol für das Verhältnis von Tradition und Moderne, von einem eher archaische geprägten, ganzheitlichen Lebenszusammenhang und einer überwiegend zerrissenen, technisierten Welt der Globalisierung. Am Leben der Kuh lässt sich gleichnishaft der Zustand unserer Gesellschaft und der von ihr gelebten Werte ablesen. Spuren dieser Entwicklung nachzugehen und diese, gefiltert durch meine subjektive Sicht als Künstlerin, wiederzugeben, wird ein wichtiges Anliegen meines Arbeitsaufenthaltes im Gastatelier in Gmünd sein.
Als mein Angebot an die Stadt Gmünd und ihre Bewohner und Besucher stelle ich mir vor, Rundgänge zu einigen wichtigen Repräsentanten unserer Nahrungsmittelversorgung zu veranstalten: Bei einem Besuch auf der Alm, bei einer Molkerei und beim Supermarkt können unterschiedliche Ansichten und Argumente der jeweiligen Branche in Bezug auf unsere Versorgung mit Nahrungsmitteln kennengelernt und diskutiert werden. Insbesondere möchte ich auch die landwirtschaftliche Bevölkerungsgruppe mit ihren Produkten und Produktionsbedingungen ins Spiel bringen. Die Teilnehmer der Rundgänge erhalten in den Gesprächen ‚vor Ort’ die Gelegenheit, Fragen zu stellen und ihre eigenen Ernährungsgewohnheiten zu hinterfragen. Neben diesen für mich wichtigen Aspekten menschlichen Handelns möchte ich selbstverständlich meine künstlerische Sicht auf die Dinge nicht außer Acht lassen. In regelmäßigen ‚Atelier-Gesprächsrunden’ im Gastatelier möchte ich mich durch das Medium meiner eigenen‚ ‚Ku(h)nst-Werke den Fragen Interessierter stellen und davon berichten, wie eine Berliner Künstlerin ‚auf die Kuh’ kam.“ (Motivationsschreiben von Theresa Beitl zu ihrem Gastaufenthalt.)















