Kunst- & Handwerkshaus
Zehn Jahre lang hat die Kulturinitiative Gmünd das Kunst- & Handwerkshaus in der Hinteren Gasse angemietet und damit ein aus dem 17. Jahrhundert stammendes Haus im Altstadtbereich, das seit Jahren leer stand, der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht und für Kunst und Kultur geöffnet. Zahlreichen heimischen und auswärtigen KünstlerInnen und KunsthandwerkerInnen wurde bisher die Möglichkeit geboten, hier während der wärmeren Monate möglichst kostengünstig zu leben und zu arbeiten. Für die Künstler und Kunsthandwerker stehen drei beheizbare, verschieden große Werkstätten bzw. Ateliers (darunter eine voll eingerichtete Töpferwerkstatt mit Brennofen) im Erdgeschoß zur Verfügung. Im ersten Stock standen bisher drei Garconnieren einfachsten Standards zur Verfügung. Aufgrund mangelnder Dachdämmung und daraus resultierender nicht ausreichender Beheizbarkeit der Wohnungen im ersten Stock konnte das Kunst- & Handwerkshaus schon bisher nur während der wärmeren Monate, von Mai bis Oktober, genutzt werden. Eine Sanierung des Hauses, die winterfeste und dem zeitgemäßen Wohnstandard entsprechende Wohneinheiten im I. Stock schaffen soll, ist nun dringend von Nöten, um eine Weiterbespielung des Hauses durch den Verein zu ermöglichen. Aus diesem Grund hat die Kulturinitiative den Mietvertrag mit der Hauseigentümerin einvernehmlich stillgelegt und hofft, dass die Sanierung des Gebäudes im kommenden Jahr stattfinden wird.
Bespielbar bleiben 2011 jedenfalls die vier Werkstätten im Erdgeschoß, die wieder Kunst und Kunsthandwerk präsentieren werden. Eingeladen sind die slowenischen Künstler Karmen und Peter Melocco, die die große Werkstatt mit Textiler Kunst und Schmuckdesign beleben werden. Ebenso werden wieder die junge Gmündner Textil- und Modekünstlerin Maria Essl und die Modedesignerin Ruth Rindlisbacher ihre Ateliers und Werkstätten einrichten. Almut Vierbach, begnadete Holzschnitzerin aus Feldkirchen, wird ebenfalls im kommenden Sommer das Kunsthandwerksteam verstärken, ebenso wie die beiden niederösterreichischen Keramikerinnen Doris Winkler und Gudrun Gross, die Keramik an der Universität für angewandte Kunst studiert haben.Das Haus wird also auch im kommenden Sommer eine bunte Vielfalt an Qualitätshandwerk zur Schau bringen und die Besucher der Künstlerstadt in die offenen Ateliers laden.
Damit dieses Haus nach erfolgreicher Sanierung auch hinkünftig der Kunst zur Verfügung stehen kann, bemühen wir uns, unsere Kulturpartnerstadt Osnabrück zu gewinnen, ein eigenes Gastatelier in der Künstlerstadt mittelfristig anzumieten. Für unseren Ort spricht die Lebendigkeit und kulturelle Vielfalt in der Stadt ebenso wie die Tatsache, dass mit der Kulturinitiative Gmünd ein geeigneter Betreuer der Gastateliers und seiner Bewohner vor Ort zur Verfügung steht. Ein entsprechendes Projekt liegt vor, Gespräche sind im Gang.
Auch im Rahmen unseres EU-Projektes „Cultural Heritage“ könnten sich hier neue Wege zur Revitalisierung des Hauses auftun.
GastkünstlerInnen im Kunst- & Handwerkshaus 2012
PETER MELOCCO
Gold- und Silberschmied, Slowenien/USA
Aufenthalt im Kunst-& Handwerkshaus von Juni bis September
KARMEN MELOCCO
Textilkünstlerin, Slowenien
Aufenthalt im Kunst-& Handwerkshaus im Juni bis September
GUDRUN GROSS
Keramikkunst, Wien
Aufenthalt im Kunst-& Handwerkshaus im Juli und August
DORIS WINKLER
Keramikkunst, Wien
Aufenthalt im Kunst-& Handwerkshaus im Juli und August
RUTH RINDLISBACHER
Modedesign, Holzobjekte, Spittal
Aufenthalt im Kunst-& Handwerkshaus von Juli und September
MARIA ESSL
Mode und Holz
Aufenthalt im Kunst-& Handwerkshaus im Juli und September
LAURIN BACHMANN
Experimentelle Kunst
Aufenthalt im Kunst-& Handwerkshaus im Juli und September
PETER MELOCCO
GOLD- UND SILBERSCHMIED, SLOWENIEN

Der eigentlich aus Ungarn stammende Schmückkünstler hat lange Zeit in den Vereinigten Staaten verbracht und dort sein Handwerk verfeinert. Seit fünf Jahren lebt und arbeitet er in Laibach/Slowenien und im Sommerhalbjahr in der Werkstatt im Kunst- & Handwerkshaus Gmünd. Seine Schmuckkunst ist geprägt von hervorragender Kenntnis über Leuchtkraft und Eigenschaften von Edel- und Halbedelsteinen, die er zu einzigartigen Schmuckstücken verarbeitet. Gerne verwendet er auch Antikes, etwa antike Münzen, die er in raffinierten Schmuck verwandelt.
KARMEN MELOCCO
TEXTILKÜNSTLERIN, SLOWENIEN

Karmen Melocco, gebürtige Slowenin, hat sich auf textile Kunst, darin auf die alte Kulturtechnik des Filzens spezialisiert. Filz ist ein Vliesstoff aus Wolle. Die Verfestigung des ungebundenen Vlies durch Walken mit warmem Wasser und Seife ist eine Kräfte raubende Arbeit: Der Vorgang erklärt sich dadurch, dass die Kombination von warmem Wasser und Seife die verwendeten Vlieshaare aufquellen lässt. Durch die ständige Bewegung (kneten, reiben und walken) verkeilen sich die Vlieshaare so stark ineinander, dass sie voneinander nicht mehr zu lösen sind. Die auf diese Weise in der Werkstatt hergestellten Filzstoffe verarbeitet Karmen Melocco meisterhaft zu einzigartigen Taschen, Schals und anderen Accessoires.
Die Modedesignerin verblüfft mit ihren ganz eigenständigen und ausgefallenen Modekreationen und macht deutlich, dass Mode sehr viel mit Individualität zu tun hat. Doch nicht nur ihre Mode, auch ihre Skulpturen sind einzigartig. Aus gebrauchten Materialien und Fundstücken schafft sie Neues und Unerwartetes und verwendet damit Ressourcen, die ansonsten wertlos wären.
GUDRUN GROSS UND DORIS WINKLER
KERAMIK

Gudrun Gross macht Entwurf, Produktion und Verkauf von handgefertigten, keramischen Erzeugnissen; vorwiegend Produkte aus dem Bereich der Tisch- und Esskultur unter dem Label gudshapes. Zwei Linien, die hohen qualitativen und ästhetischen Ansprüchen gerecht werden sind untereinander kombinierbar: Die Linie aus Porzellan wird zum Großteil aus Gießporzellan hergestellt. Die klare Formensprache wird verstärkt durch satte leuchtende Farbflächen, die starken Kontrast herstellen zu der weißen Farbe des Porzellans. Den Material-eigenschaften entsprechend fertige ich unter anderem Becher, Schüsseln, Schalen, und Windlichter. Den künstlerischen Wert erlangen die Produkte durch ihren Dekor, der stark assoziativ aus dem Bereich des Gegen-ständlichen stammt (Bsp: Ziffern 0-9 auf Porzellanbecher, Fahrradbecher, Schneeflocke, ect.) Die plakativen Motive, die Themen aus dem alltäglichen Leben aufgreifen, sprechen den/ die BetrachterIn spontan an.
Die zweite Produktlinie folgt der gleichen Formensprache, wird jedoch aus Steinzeugton (hoch gebrannt – Hohe Materialqualität) und in anderen Techniken hergestellt. Bei den Vasen, Flaschen, Schüsseln, Tellern, Tassen ect. die ich aus Ton fertige, steht die Form definitiv im Mittelpunkt. Diese soll den funktionellen Ansprüchen an ein Produkt des täglichen Gebrauchs gerecht werden und den beinahe steinernen Charakter des Materials wirken lassen. Der/die BenutzerIn nimmt diese Stücke gern in die Hand, da Oberfläche und Form sich angenehm anfühlen. Auf farbliche Gestaltung wird auch hier nicht verzichtet, jedoch sparsamer eingesetzt und in Kommunikation mit der Form der Stücke. Hauptsächliche Technik: Drehen auf der Töpferscheibe.
DORIS WINKLER
„Schöne Dinge des alltäglichen Gebrauchs erfreuen Aug, Herz und Hand“. Unter diesem Motto entstehen in aufwendiger Handarbeit Kleinserien und Einzelstücke. Alle Schritte bis zum fertigen Produkt werden von Doris Winkler durchgeführt: Idee, Entwurf, Modellanfertigung, Gipsformenbau, Masseaufbereitung, Herstellung der Porzellan-Rohlinge, Nachbearbeitung, erster Brand, Zwischenschliff, Glasurauftrag, Dekor, zweiter Brand, Endschliff, für spezielle Dekore (z.B. Gold): ein dritter Brand.
Projekt im Kunsthandwerkshaus 2012: Papierporzellan
Porzellan hat bei einer Wandstärke unter drei Millimeter als einziger keramischer Werkstoff die Eigenschaft der Lichtdurchlässigkeit. Das möchte ich im Sommer 2012 in einer neuen Werkserie sichtbar machen:
Porzellanblätter werden mittels strukturgebender Materialien (Textiles, Stempel, Papier, Organisches Material) gestaltet, Textfragmente „eingewoben“. Je nach Art des Lichtes werden diese Blätter dem Betrachter dann ihre unter-schiedlichsten „Seiten“ zeigen.












