Fotogalerie Gmünd
Untere Vorstadt, A-9853 Gmünd in Kärnten
Die Ausstellungen der Fotogalerie Gmünd stehen im Jahr 2010 ganz im Zeichen der künstlerischen Gattung „Dokumentarfotografie“ und dies auf höchstem Niveau. Sowohl die Kärntner Fotografin Angelika Kampfer als auch der Tiroler Fotograf Lois Hechenblaikner tauchen ein in die Welt der alpinen Landschaften und bäuerlichen Regionen, zeigen auf unterschiedliche und durchaus kritische Weise, wie der Tourismus Veränderungen in Bereichen des traditionellen bäuerlichen Lebens herbeigeführt hat, die es zu hinterfragen gilt. Während Angelika Kampfer in ihrem neu aufgelegten Buch „Ausgesetzte Zeit“ die Veränderungen abzeichnet, die sich in den letzten 20 Jahren im bergbäuerlichen Leben ereignet haben, kritisiert Lois Hechenblaikner, dass der Tourismus in den letzen Jahrzehnten die Tiroler Berge in einen ganzjährigen Freizeitpark verwandelt hat.
ANGELIKA KAMPFER „BERGBAUERN“
Vernissage: FR, 9. April 2010, 19.00 Uhr, zu sehen täglich von 10 bis 18 Uhr, bis 27. Juni.
Dazu ist ein Buch unter dem Titel „Ausgesetzte Zeit“ im Verlag…..erschienen.
Angelika Kampfer hat im Zeitraum von September 1992 bis Oktober 1993 das Leben der Bergbauern in den Hohen Tauern (Oberes Mölltal) und in den Nockbergen (Kaning) fotografiert und in ihrem Buch „Ausgesetzte Zeit“ festgehalten. In ihrer Neuauflage zum Buch 2009 hat sie Fotografien jüngsten Datums miteinbezogen und spürt somit den Veränderungen im bäuerlichen Leben der Kärntner Bergbauern nach. Angelika Kampfer hat sich den Bergbauern und ihrem Eigensinn mit der Kamera genähert, porträtiert sie bei der Arbeit, zeigt ihre Bezugssysteme, erschließt in Details, wie ihr Umfeld aussieht, und macht den Rhythmus ihres Alltags spürbar. Kampfer interpretiert wenig und sieht viel. Sie inszeniert ihre Fotos so unaufdringlich wie möglich, stellt die Menschen in den Mittelpunkt und lässt sie für sich selbst sprechen. Die Bergbauern und Bergbäuerinnen, vermutlich selten mit fotografischen Ansinnen konfrontiert, zeigen sich ungeschönt und ohne Pose. Sie öffnen ihre Lebenswelt für die Blicke anderer und setzen sich deren Deutung aus. Es ist kein nostalgischer Rückblick, sondern ein Festhalten des traditionellen Lebens, wie es heute noch besteht, uns schon fremd geworden ist und morgen so nicht mehr existieren wird – es ist eine Bestandsaufnahme und ein Porträt unserer Alpenregion.
“Bergbauern sind eine besondere Spezies Mensch. Sie verkörpern fast einen Urtyp menschlichen Lebens. Mit Tier und Boden suchen sie ein Auskommen, mit den neuen Zeiten ein Einvernehmen. Sie verschließen sich der romantischen Vereinnahmung, zeigen aber auch ohne Scheu ihre oft fremd anmutende Lebensweise.”
LOIS HECHENBLAIKNER „HINTER DEN BERGEN“
Vernissage: DO, 1. Juli 2010, 19.00 Uhr, zu sehen täglich von 10 bis 18 Uhr, bis 26. Sept.
Dazu ist ein Buch unter dem Titel „Hinter den Bergen“ in der Edition Braus erschienen.
Der Tiroler Fotograf Lois Hechenblaikner hat seine Heimat Tirol fotografiert – er konfrontiert seine Bilder mit historischen Aufnahmen von 1936 bis 1970.
Vor etwa 70 Jahren zog der Agraringenieur Armin Kniely los, um im Auftrag der Tiroler Landwirtschaftskammer das Leben in den Bergen zu dokumentieren. Über Jahrzehnte fotografierte er den Alltag in den Dörfern, die Arbeit, die Feste und Prozessionen: Eine Chronik kargen Lebens in unversehrter Natur. Die Bilder wären längst vergessen, hätte nicht der Fotograf Lois Hechenblaikner Knielys Archiv entdeckt und sich aufgemacht, zeitgenössische Entsprechungen der Motive in den Tiroler Alpen zu suchen. Das Fotoprojekt, vor kurzem als Buch unter dem Titel „Hinter den Bergen“ in der Edition Braus erschienen, wurde ein „visueller Auffahrunfall“, wie Hechenblaikener sagt: Urtümliche Bergwelt auf der einen Seite, domestizierte Natur auf der anderen. Einen Viehmarkt stellt er einem Autoparkplatz gegenüber, aufgestapelte Ski sind die Zäune von heute, wo früher Bergwiesen gewässert wurden, donnern heute Schneekanonen – Symbole der Arbeitswelt gegen Symbole der Freizeitgesellschaft, deren Erscheinungsbild von den Zeichen der Werbeindustrie durchsetzt ist.
Die aktuellen Aufnahmen entstanden zwischen 2001 und 2008 und zeigen eine Welt, die sich durch den Massentourismus in wenigen Jahrzehnten gewandelt hat wie kaum eine andere Region in Westeuropa. Hechenblaikner hat das selbst miterlebet: Er wuchs im Alpbachtal auf, seine Eltern betrieben ein Hotel mit 40 Betten. Die Touristen nahm er als Menschen wahr, die der Anonymität der Städte entkommen wollten, die Herzlichkeit, Gastfreundschaft und Authentizität suchten. Paradoxerweise verwandelten gerade sie die Berge in einen ganzjährigen Freizeitpark. Das macht Hechenblaikners Analogien so bitter wie komisch. Am wenigsten kann man darüber übrigens in seiner Heimat lachen. Im Zillertal hat er noch keinen öffentlichen Raum für seine Ausstellung gefunden, während sich renommierte Galerien im In- und Ausland um eine Ausstellung bemühen.
Das deutsche „Zeit Magazin“ hat erst Ende Dezember 2009 dem Fotografen und seiner Arbeit acht! ganze Seiten gewidmet.






