Ausstellungen OPEN AIR

MANUELA PFANN

„NORBERT – EIN LEBEN ALS BAUERNKNECHT IN KÄRNTENS BERGEN“
Eine sozio-kulturelle Open Air Ausstellung an einem außergewöhnlichen Ort

An den Außenwänden des Kuhstalls der Familie Glawischnig-Hofer in Oberbuch bei Gmünd in Kärnten hat die deutsche Journalistin und Fotografin Manuela Pfann eine eindrucksvolle Fotowerkserie über das Leben eines Bauernknechtes in Kärntens Bergwelt ausgestellt.

Ausstellungspräsentation am DO, den 31. Mai 2012, zu sehen bis 31. Dezember 2012

„Wer ist das? Wo kommt er her? Versteht er mich? Warum spricht er nicht?“ Fragen, die sich der Journalistin Manuela Pfann unvermittelt stellten, als sie im Sommer 2006 mit ihrer Familie auf dem Hof der Glawischnigs in Oberbuch Urlaub machte – und dort zum ersten Mal Norbert begegnete. Jenem stummen Stallgehilfen, der morgens wie abends zwischen Kuh- und Schweinestall etwas schwerfällig unterwegs ist, seinen Schubkarren immer randvoll beladen mit Futter oder Mist. Der zwischen den Stallarbeiten stundenlang im Schuppen Holz spaltet oder den man, wenn man ihn gerade nicht sieht, an jenem Ort wähnen darf, von dem her sein Mund-harmonikaspiel zu hören ist.“

Als Manuela Pfann aus Baden-Württemberg nach 14 Tagen wieder abreist, hat sie einen Menschen beobachtet, der immer pünktlich zur Arbeit erscheint, den scheinbar nichts aus der Ruhe bringen kann, der im Stall unter Grinsen Handküsse für die Kühe verteilt. Und der auf dem Hof wohnt, den ganzen Tag und die ganze Nacht; seit dem Jahr 1961, als der damalige Hofbesitzer, der Großvater der heutigen Wirtsleute, den vierzehnjährigen Buben aus dem Maria Josefinum in Klagenfurt auf den Hof geholt haben. Damals eine „Anstalt“ mit der Aufgabe, „mehrfach beeinträchtigten Kindern Pflege, Erziehung, Unterricht und Beschäftigung angedeihen zu lassen“. Diese durfte Norbert von jenem Tag an als elftes und jüngstes Kind auf dem Hof des Großvaters in Oberbuch erfahren. 2008 kehrte die gelernte Redakteurin ins heute 25-Seelen zählende Dorf oberhalb der Stadt Gmünd zurück mit der Absicht, die Geschichte von Norbert aufzuschreiben. Doch dieser Versuch misslang: „Mit Worten konnte ich nicht zu Norbert vordringen; es blieb nur das, was andere über ihn erzählten. Und diese Geschichte lebte einfach nicht“, sagt Manuela Pfann heute. Der Reiz, Norberts Welt zu erkunden und aufzuspüren, wie solch ein Zusammenleben über Jahrzehnte hinweg funktionieren kann, blieb. Es folgte die dritte Reise nach Kärnten; im Januar 2011. Dieses Mal sollte anstatt dem Stift vor allem die Fotokamera zum Einsatz kommen.

Norbert erlaubte die Begleitung durch seinen Tag (jedenfalls betrachtete er die Aufnahmen auf dem Display der Kamera mit großer Neugier). Viele Stunden verbrachte die freiberufliche Journalistin eng an der Seite des mittlerweile 65-jährigen Knechts, mehrere hundert Aufnahmen sind so in den ersten Wintertagen des Jahres 2011 entstanden. Eine 16 Bilder umfassende Auswahl wird nun, großformatig laminiert, ab Ende Mai 2012 zu sehen sein; und zwar direkt am Ort des Geschehens, am Kuhstall in Oberbuch 7. Die begleitenden Bildtexte geben der ungewöhnlichen Ausstellung das Format einer Foto-Reportage und spiegeln in eindrücklichen Szenen den Alltag des wohl letzten Bauernknechts seiner Art in Oberkärnten wider.