20 Jahre Künstlerstadt Gmünd

20 Jahre Kulturinitiative Gmünd


Eine Rückschau von Dr. Erika Schuster

Der Verein Kulturinitiative Gmünd feiert heuer sein 20-Jahr-Jubiläum und damit zwei Jahrzehnte beständiger Kulturarbeit und erfolgreicher Vermarktung der Künstlerstadt als neue touristische Marke in Kärnten. Wie kaum eine andere Stadt vergleichbarer Größenordnung hat es Gmünd verstanden, sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten ein unverwechselbares und einzigartiges Image zu geben. Gmünd ist als Künstlerstadt landauf, landab ein Begriff geworden.

Und gleich zweierlei gibt heuer im Jubiläumsjahr wirklich Anlass zu großer Freude: Noch nie hat Gmünd in den vergangenen Jahrzehnten so viele Besucher gezählt wie in diesem Jahr! Selbst an sehr heißen Sommertagen war die Altstadt gut belebt, kaum ein Platz in den Kaffeehäusern der Stadt zu bekommen. Bis in den Spätherbst hinein gehörten interessierte Besuchergruppen zum täglichen Stadtbild. Über 2.000 Menschen haben sich heuer an geführten Kulturspaziergängen durch die Stadt beteiligt. Es hat also tatsächlich 20 Jahre beharrlicher Arbeit bedurft, dass jedermann nun die positiven Auswirkungen auf die Stadt sehen und spüren kann.

Vielleicht ist es daher kein Zufall, dass wir im selben Jahr, 2011, den größten europäischen Tourismuspreis nach Gmünd und damit erstmals nach Kärnten holen konnten. Der EDEN AWARD (EDEN steht für European Destination of ExcelleNce) wird seit 2007 von der Europäischen Union jährlich zu einem bestimmten Thema an je eine Destination pro EU-Staat verliehen. In einem aufwändigen Auswahlverfahren, durchgeführt von Österreich Werbung und Wirtschaftsministerium, konnte die Einreichung der Kulturinitiative Gmünd zum EDEN AWARD 2011 unter 40 Einreichungen letztlich vor den finalen Destinationen Carnuntum/NÖ und Steirisches Thermenland überzeugen. Es war durchaus aufregend für mich, in Wien vor die Jury zu treten und mit einer PowerPoint-Präsentation und viel Enthusiasmus die Vorzüge Gmünds zu präsentieren. Und das war keineswegs die einzige Präsentation der Künstlerstadt heuer: Die Internationale Kulturtourismus- und Stadtmarketingtagung in Salzburg, die Österreichische Nachhaltigkeitskonferenz im Pielachtal, die Jahreskonferenz der Europäischen Vereinigung Ummauerter Städte in Lucca/I waren Orte, an denen ich die Künstlerstadt Gmünd einem großen Fachpublikum vorstellen durfte.

Mit dem EDEN Award eröffnen sich für die Künstlerstadt Gmünd ungeahnte, neue Möglichkeiten für internationale Kooperationen unter den bisher 98 Eden Destinationen Europas.

Angefangen hat alles 1991. Damals wurde österreichweit in sehr vielen Gemeinden an sogenannten Orts- und Regionalentwicklungskonzepten gearbeitet. Die Kulturinitiative Gmünd, gerade ins Leben gerufen, hat unter ihrem Obmann der ersten Stunde, Heinz Miklautz, für die Stadt Gmünd ein detailliertes Orts- & Regionalentwicklungskonzept mit dem Titel „Kultur-& Künstlerstadt Gmünd“ erarbeitet. Von Anfang an stand die Idee im Vordergrund, die kleine, in ihren mittelalterlichen Strukturen so hervorragend erhaltene Stadt mit Hilfe von Kunst- und Kulturprogrammen zu beleben, neues Leben in leer stehende Gebäude der Altstadt einziehen zu lassen. Mit der Schwerpunktsetzung auf Bildende Kunst und Kunsthandwerk ist es nach und nach gelungen, 16 Gebäude in der Altstadt, die vormals ungenutzt standen, mit Kunst und Kultur zu revitalisieren und während der Sommermonate ganztägig dem interessierten Publikum zu öffnen. Das nachstehende Diagramm veranschaulicht die schrittweise Entwicklung dieses erfolgreichen „Leerflächenmanagements“ in der Stadt:

Die Stadt beeindruckt heute mit ihrem außergewöhnlich großen Angebot an ganztägig geöffneten Kultureinrichtungen und macht sie dadurch tatsächlich zu einer Künstlerstadt. Dem Besucher bietet Gmünd Ausstellungen, Museen, zahlreiche Galerien in aufwändig restaurierten Gebäuden, Künstlerateliers und Internationale Gastateliers, Skulpturengärten und das mittlerweile größte Veranstaltungsangebot in Oberkärnten. Bei einem Rundgang durch den Ort spüren die Besucher, dass tatsächlich eine ganze Stadt die Kunst lebt. Und auch die Wirtschaft hat am Erfolg teil. In kaum einer anderen Stadt dieser Größenordnung findet der Einheimische und Besucher noch eine so intakte Infrastruktur vor: Die Liste der Unternehmen ist lang, vom Buchhändler bis zum Optiker, von der Apotheke bis zu den Bäckereien, vom Elektrogeschäft bis zu den Blumenhandlungen, finden sich Geschäfte aller Art im Ort.

Die Verweildauer unserer Gäste hat in den letzen Jahren enorm zugenommen. War man früher auf der Durchreise in Gmünd kurz stehen geblieben, so ist die Künstlerstadt Gmünd nun selbst ein beliebtes Ausflugsziel für sich geworden. Das unglaublich vielfältige Angebot und die Möglichkeit, einen ganzen Tag in Museen und Ausstellungen zu verbringen und dabei jedes Jahr wieder Neues entdecken zu können, machen die Stadt so einzigartig und lebenswert. Für jeden findet sich etwas Interessantes, die Besucherzufriedenheit ist hoch. Die Wertschöpfung aus dem kontinuierlich gestiegenen Tagestourismus mit vorsichtig geschätzten 125.000 Besuchern pro Jahr beträgt jährlich ca. € 3.500.000, die der ganzen Stadt zugute kommen. Auch der Nächtigungstourismus in Gmünd weist gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 1,9 % trotz Reduktion der Bettenzahl im Ort auf.

Wie war nun diese Entwicklung Gmünds zur Künstlerstadt möglich? Wir werden oft gefragt, warum es ausgerechnet in diesem Ort funktioniert hat, die Marke Künstlerstadt erfolgreich zu etablieren.

Natürlich gibt es viele Erfolgsfaktoren zu nennen, wie etwa das Setzen auf beständige Qualität, die Angebotsvielfalt, die vielleicht größere Zahl engagierter und kulturell aktiver Menschen im Ort als anderswo. Das Geheimrezept der Künstlerstadt liegt aber ganz eindeutig im Vorhandensein eines Kulturvereines, der sich das Ziel gesetzt hat, mit Hilfe von Kunst und Kultur die Stadt zu beleben, Stadtentwicklung anzukurbeln und die Marke Künstlerstadt konsequent aufzubauen. Das Erfolgsrezept liegt also darin, dass hier gute Produktentwicklung Hand in Hand geht mit intelligenter Vermarktung, wie dies auch die EDEN-Jury zum Ausdruck bringt. Die Künstlerstadt Gmünd ist das Ergebnis von 20 Jahren engagierter Arbeit der Kulturinitiative Gmünd in guter Zusammenarbeit mit der Stadtgemeinde Gmünd und einem mittlerweile ungemein großen Kooperationsnetzwerk im Kultur-, Marketing- und Tourismusbereich. Es sind dies diese, über die Jahre nachhaltig aufgebauten und funktionierenden Netzwerke und Kooperationen, die die Künstlerstadt „groß“ gemacht haben: Kooperationen mit Kulturschaffenden, Kulturinstitutionen wie Museen, Privatsammlungen, Universitäten und Hochschulen usw. und Marketing-Kooperationen mit Tourismusverbänden der Region, mit den Nationalparks, mit der Kärnten Werbung und der Österreich Werbung, mit zahlreichen Wirtschaftsunternehmen, mit Busunternehmen und Reisebuchverlagen sowie die wichtigen Medienkooperationen, die die Kunde von der Künstlerstadt ins Land tragen und uns jedes Jahr einen großen Pressespiegel bescheren. Unsere Kulturarbeit und unsere touristische Arbeit sind über die Jahre professioneller und umfangreicher geworden und nach und nach haben wir uns zu Spezialisten für Städte- und Kulturtourismus entwickelt.

Das Hauptaufgabengebiet der Kulturinitiative Gmünd erstreckt sich im Wesentlichen auf zwei Bereiche: Die Erstellung und Durchführung eines jährlich neuen Kulturprogrammes und die touristische Vermarktung der Stadt. Die Kulturinitiative bespielt in Gmünd mit Stadtturm, Gastatelier Maltator und Maltator Parterre, Malwerkstätte, Galerie Gmünd, Fotogalerie Gmünd, Kunsthandwerkshaus, Reitschule und Alte Burg jährlich bis zu neun Ausstellungsorte mit durchschnittlich 15 neuen Ausstellungen pro Jahr. Zusätzlich haben wir z. B. 2011 an 91 Veranstaltungstagen 54 Kulturveranstaltungen, darunter den großen Kunsthandwerksmarkt und die zahlreichen Kurse im Rahmen der Sommerakademie, in Gmünd durchgeführt.

Zu unserer umfangreichen Stadtmarketingtätigkeit zählen die Herausgabe und Verteilung von Werbemitteln der Künstlerstadt (Kulturkalender, Kulturprogramme, Flyer, Kunstwanderkarten, Lesezeichen, Plakate usw.), die gewissenhafte Wartung einer großen Adresskartei, die Gestaltung und Entwicklung von Stadtplänen, Abrissblöcken, Fahnen und Künstlerstadt-Tafeln im Ort und in der Region samt Aufstellung und Genehmigungsverfahren, Medienarbeit, Journalisten- und Filmteambetreuung (heuer haben wir drei Filmteams an insgesamt zehn Tagen betreut, darunter das ORF-Filmteam unter Helga Suppan, die im Auftrag des ORF einen halbstündigen Film über die Künstlerstadt eingespielt hat, der am SO, den 5. Februar 2012, um 11.00 Uhr, in ORF 2 zu sehen sein wird – ein Meilenstein für die Bewerbung unserer Stadt), vielfältige Texterstellungen zur Künstlerstadt, Übersetzungen und Homepageaktualisierungen, die Zusammenarbeit mit Reisebuchverlagen (z. B. DUMONT Kärnten, in dem der Künstlerstadt Gmünd eine der zehn wichtigsten Entdeckungstouren durch Kärnten gewidmet ist), das neue und wichtige Aufgabenfeld regelmäßiger Email-Bewerbungen, die Erstellung von Packages für Aufenthalte in der Künstlerstadt auch für Schulen und im Zusammenhang mit Kreativreisen zur Sommerakademie Gmünd, die Entwicklung eines Leitsystems durch die Künstlerstadt, die Angebotsentwicklung und die gesamte Organisation der Stadtführungen durch die Künstlerstadt.

Dazu kommen noch die Unterstützung und Durchführung bei/von Sonderprojekten mit touristischer Auswirkung für die Stadt, wie die Entwicklung von Kulturkooperationsprojekten mit unserer Freundschaftsstadt Osnabrück, die Entwicklung und Durchführung von Interreg und EU-Leader Projekten (z. B. Skulpturen an der Autobahn – heuer wurde uns die kostenlose Aufstellung der Skulpturen und Tafeln von der Asfinag für weitere fünf Jahre genehmigt), Berg & Kunst, aus dessen Budget z. B. die Dachsanierung des Burgtheaters mit 50 % gefördert werden konnte, oder das Projekt Cultural Heritage, das eine zukünftige touristische Nutzung leer stehender Gebäude in der Altstadt fördern will).

Auch die verantwortliche Organisation der Jahrestagung der Ummauerten Städte Europas (EWT – European Walled Towns) im kommenden Jahr in Gmünd mit bis zu 80 Teilnehmern aus ganz Europa liegt in den Händen der Kulturinitiative. Dafür konnten bereits prominente Referenten gewonnen werden, die Städte Friesach und Radstadt, ebenfalls langjährige Mitglieder der Ummauerten Städte Europas, konnten als Kooperationspartner gewonnen werden.

Wie finanziert die Kulturinitiative Gmünd diese vielen Aufgabenbereiche?

Eine unserer schwierigsten Aufgaben ist es, Jahr für Jahr die für unsere Arbeit notwendigen Mittel aufzustellen. Mithilfe detaillierter Programmansuchen ist es dem Verein bisher immer gelungen, potentielle Geldgeber zu begeistern und pro Jahr etwa € 200.000,– aufzubringen, die ca. zu je gleichen Teilen von Bund, Land, Gemeinde, EU und AMS, Sponsoren und Mitgliedsbeiträgen/ Spenden sowie Eigeneinnahmen herrühren. Das Geld fließt in das Programm, das notwendige Personal und in das Stadtmarketing. Alleine dafür wendet der Verein ca. € 70.000,– pro Jahr an Personal- und Sachkosten auf.

Ich höre bei meinen Vorträgen über die Künstlerstadt immer wieder die erstaunte Feststellung, mit wie wenig  Geld eigentlich so vieles umgesetzt werden kann. Seit 16 Jahren nun schon darf ich als hauptberuflich angestellte Geschäftsführerin dieses Vereines federführend die Entwicklung der Stadt zur Künstlerstadt leiten. Ich hoffe, dass es uns auch in Zukunft und in wirtschaftlich schlechteren Zeiten gelingen möge, diese positive Stadt-entwicklung voranzutreiben. All denen, die vor zwanzig Jahren das Potential erkannt haben, das in der Umsetzung der Künstlerstadt verborgen liegt, sei hier ganz herzlich gedankt, ebenso jenen, die lange Jahre schon unbeirrt an der Verwirklichung dieses Konzeptes mitwirken und mitgestalten. Dr. Erika Schuster

Geschäftsführung der Kulturinitiative Gmünd

                                                             EDEN AWARD 2011 – Touristische Neuinszenierung klassischer Strukturen

 

Europäischer Tourismuspreis EDEN AWARD 2011
geht in Österreich an die KÜNSTLERSTADT GMÜND

EDEN, European Destinations of ExcelleNce, ist eine Initiative der Europäischen Union, die 2007 gestartet wurde und in deren Rahmen jedes Jahr zu einem wechselnden Thema pro Staat eine beispielhafte Destination gekürt wird. Jeder teilnehmende Staat organisiert ein Auswahlverfahren zur Ermittlung seines nationalen Siegers. In Österreich wird dieses mehrstufige Verfahren von der Österreich Werbung mit Unterstützung des Wirtschaftsministeriums und eines Expertenteams übernommen.

Jahresthema 2011 war die touristische Neuinszenierung historischer Strukturen. Unter 40 österreichischen Mitbewerbern hat nun das von der Kulturinitiative Gmünd unter der Leitung von Frau Dr. Erika Schuster eingereichte Projekt „Künstlerstadt Gmünd“ den EDEN AWARD 2011 gewonnen und damit erstmals diesen Tourismus-Oscar nach Kärnten geholt!.

Professionelle Kulturarbeit und intelligente Marketinginitiativen waren laut Expertenjury für den Sieg des diesjährigen EDEN AWARDs ausschlaggebend. „Besonders hervorzuheben ist das persönliche Engagement des Trägervereins Kulturinitiative Gmünd, dessen professionelle Kulturarbeit und intelligente Marketinginitiativen – trotz knapper finanzieller Ressourcen“, meinte die Juryvorsitzende Lilli Hollein anlässlich der Preisverleihung im Wirtschaftsministerium. Mit Hilfe der engagierten Kulturarbeit und konsequenten Qualitätsvermarktung der Stadt als Künstlerstadt ist es der Kulturinitiative Gmünd gemeinsam mit der Stadtgemeinde und dank eines mittlerweile großen Kooperationsnetzwerks im Kultur- und Marketingbereich in den letzten 20 Jahren gelungen, eine alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche der Stadt umfassende Belebung erfolgreich anzukurbeln. Vor allem im tagestouristischen Bereich konnten in den letzten Jahren große Steigerungsraten erzielt werden. Mit ca. 100.000 Tagesgästen, die die Künstlerstadt jährlich besuchen, wird eine Wertschöpfung von mindestens € 2.500.000,– erzielt, die vor allem den heimischen Wirtschaftsbetrieben in Gmünd zugute kommen und die Region stärken. Der Wert der Unterstützungsleistung alleine durch die Österreich Werbung für die Künstlerstadt Gmünd beläuft sich durch den EDEN Award auf ca. € 20.000,–. Die Vernetzung auf europäischer Ebene mit anderen Siegerdestinationen ist besonders wertvoll. Zu hoffen bleibt jetzt, dass die Stadt diese Auszeichnung dazu nutzen wird, diese für alle spürbare, so positive touristische Entwicklung Gmünds als Künstlerstadt auf eine solide finanzielle Basis zu stellen und die Verteilung der Einnahmen aus dem Tourismus neu zu überdenken. Die offizielle Preisverleihung des EDEN AWARDS 2011 an alle Siegerdestinationen Europas fand Ende September in Brüssel anlässlich des Europäischen Tourismustages statt.